Navigationshilfe:

Die Billigheimer

Während immer mehr kleine und mittelständische Händler aufgeben, während viele alteingesessene Läden dichtmachen, eröffnen gleichzeitig immer öfter Billigshop-Betreiber neue Filialen. Das Geschäft der Billigläden mit Krimskrams, Deko-Artikeln und Schreibwaren boomt. Märkte von Tedi, Action, Mäc Geiz, Schum Euroshop und Black schießen aus dem Boden wie Pilze im Spätsommer. Derzeit gibt es hierzulande rund 2.500 dieser Sonderpostenmärkte. Und die Betreiber setzen weiter auf Expansion, ihr Filialnetz wächst stetig. In Großstädten, aber auch in kleineren und mittleren Städten. Mit Rusta, einem schwedischen Billig-Warenhaus, tritt ein weiterer Konkurrent auf den Plan.
  • „Discounter-Kette Black.de breitet sich aus wie ein Lauffeuer“ (Der Westen vom 15.6.2017).

Sortiment: Die Sonderpostenmärkte handeln mit Restposten, Überproduktionen und Billigstartikeln, von Kerzen und Pfannenwendern bis zum Kaugummi. Schwerpunkte sind Schreibwaren, Basteln, Party und Deko. Das Angebot in den Läden ist oft verwirrend und unübersichtlich, bei einigen Anbietern ist das Teil des Konzepts. Kunden kauften dann am Ende mehr als ursprünglich geplant, heißt es. Tedi wirkt wie eine Resterampe, „in deren Regalen Platz findet, was irgendwo bei einer Havarie anfiel“ (wiwo.de vom 15.3.2017). Das Rusta-Sortiment ist eine „Mischung aus Baumarkt und Grabbeltisch“ (stern.de vom 18.5.2017).

Aus der Werbung
  • Euroshop: „Alles 1 Euro“.
  • Black.de: „Massiv günstig“.
  • Tedi: „Die Preise sind klein, die Auswahl ist groß“.
  • Mäc Geiz: „Immer da – immer günstig“.

Ein Großteil der Ware kommt aus Asien. Allein in China gibt es hunderte Nippes-Produzenten, die nur für diese Läden billigen Kleinstkram herstellen.
  • „Angesichts der Qualität mancher Rusta-Waren könnte man dem Kunden zurufen: Wer billig kauft, kauft zweimal“ (Der Handel, Heft 7-8 2017).

Erfolg: Dass die Billigheimer derzeit so erfolgreich sind, hängt u.a. damit zusammen, dass die Verbraucher hierzulande Discount als ein weit verbreitetes Konzept kennen und annehmen. Bislang ist es vor allem bei Lebensmitteln, Textilien und Möbeln erfolgreich. Wie sich zeigt, gibt es immer noch Nischenbereiche mit Discount-Bedarf. Zu den Käufern zählen neben einkommensschwächeren Haushalten auch Schnäppchenjäger.
  • „Kaufhäuser für den Hartz-IV-Geldbeutel“ (Handelsblatt vom 20.3.2010).

Expansion: Da viele kleine Läden schließen mussten, ist die Nachfrage nach bestimmten Artikeln vielerorts vorhanden. Billigläden können so oftmals die Rolle von Nahversorgern übernehmen. Sie nutzen Leerstände in den Städten – sie suchen Flächen in sehr günstigen Lagen. Tedi, Action & Co. setzen voll auf Expansion. Tedi eröffnet jede Woche im Durchschnitt drei neue Läden, Action plant 2017 60 neue Standorte, Black will in fünf Jahren 1.000 Filialen in Deutschland gründen.


Einige Sonderpostenmarkt-Unternehmen im Kurzporträt

Tedi:
Der Marktführer befindet sich im Eigentum von Tengelmann (Fam. Haub) mit 35 % und der B.H. Holding GmbH (KIK-Gründer Stefan Heinig) mit 65 %. Tedi führt mehr als 5.000 Artikel („man findet immer etwas, das man gebrauchen kann“) in rund 1.500 Filialen mit 11.500 Beschäftigten in 6 Ländern. In Deutschland sind es derzeit 1.350 Märkte. Tedi veröffentlicht keine Umsatz- und Gewinnzahlen. Das sehr expansive Unternehmen will weiter wachsen, in diesem Jahr allein um 300 Filialen, die Hälfte davon in Deutschland.

Black.de: Haub und Heinig wollen mit der Tedi-Tochter Black.de einen Angriff im Billigsegment fahren. In der Werbung zur Eröffnung der ersten Filiale im September 2016 in Dortmund hieß es marktschreierisch: „Der erste legale Schwarzmarkt in dieser Stadt“. Die beiden Herrn haben große Expansionspläne: Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll es 1.000 Filialen in ganz Deutschland geben. Als Hauptkonkurrent gilt Action.

Action ... ist ein schnell wachsender internationaler Non-Food-Discounter mit einem Umsatz von 2,6 Mrd. Euro und 35.000 Beschäftigten mit Sitz in den Niederlanden. 1993 wurde die erste Filiale in Enkhuizen eröffnet – heute gibt es 900 Europa-Filialen. Action führt über 6.000 Artikel, das Sortiment wechselt stark. Motto: „Niedrigste Preise und ein überraschendes Angebot“. Eigentümerin ist seit 2011 das britische Private-Equity-Unternehmen 3i. Action Deutschland steigerte den Umsatz von 166 Mio. Euro (2015) auf 270 Mio. Euro (2016). Die Zahl der Filialen erhöhte sich dabei von 76 auf 136.

Euroshop: Schum Euroshop wurde 2004 gegründet. Heute betreibt das Familienunternehmen aus Dettelbach bei Würzburg bundesweit über 250 Filialen. 100 Prozent der Artikel werden zu einem Einheitspreis von 1 Euro angeboten.

Mäc Geiz: Die Gründung der ersten Filiale des „Haushalts-Discounters“ erfolgte 1994 in Halle (Saale) – heute gibt es rund 275 Standorte. Im Rahmen eines Insolvenzverfahrens 2010 mussten mehrere Filialen an NKD abgegeben werden. Mäc Geiz gehört seither zu der österreichischen MTH Retail Group. In deren Portfolio befindet sich auch die Non-Food-Handelskette Pfennigpfeiffer.

Kodi: Der Haushaltswaren-Discounter mit Sitz in Oberhausen wurde 1981 von der Fa. Spar gegründet. 2002 erfolgte die Übernahme durch die Meridian Immobilien- und Verwaltungs GmbH (Leipzig). Heute gibt es ca. 250 Filialen, die meisten davon in NRW.

Rusta: Das Billig-Warenhaus, welches in Schweden und Norwegen über 100 Filialen betreibt, hat für Deutschland „große Pläne“, so die schwedische Unternehmensleitung. Das Sortiment „liest sich wie eine Mischung aus Baumarkt, Aldi-Aktionsware und der Krimskrams-Abteilung von Ikea“ (stern.de). In diesem Jahr gibt es hierzulande zwei Eröffnungen, die erste erfolgte in Lübeck. Man möchte, so heißt es, mit hunderten Filialen den deutschen Markt erobern.


Dr. Jürgen Glaubitz
Redaktioneller Stand: August 2017