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Die Baumarkt-Branche in Deutschland

Der Wettbewerbsdruck in der Do-it-yourself-Branche (DIY) wird immer härter. Die großen Baumarktketten bekommen Konkurrenz von den Onlinehändlern - allen voran von dem Generalisten Amazon, aber auch von reinen Online-Baumärkten wie baumarkt-direkt oder Garten XXL. Zu den wichtigen Konkurrenten zählen mittlerweile auch Aldi, Lidl und Co. – ebenso wie Supermärkte und Möbelhäuser, die allesamt Produkte aus dem Baumarkt-Segment anbieten. Gleichzeitig verändert sich das Kundenverhalten. „Do-it-yourself ist out“ – viele Kunden verlangen heute mehr Unterstützung. Die Zeiten der „beratungslosen Selbstbedienung“ sind passé, die Branche ist im Umbruch.
  • „Nahezu endlose Regale voller Dübel, Schrauben und Dichtungen – bei vielen Baumarktkunden macht sich Ratlosigkeit breit“ (HB vom 26.10.2016).

Daten und Fakten

Der Gesamtumsatz der Bau- und Heimwerkermarktbranche betrug 2016 18,2 Milliarden Euro - gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 1,5 Prozent. Die höchsten Umsätze erzielten die Unternehmen dabei mit den Sortimenten Sanitär/Heizung, Bauchemie/Baumaterial, Elektro und Anstrichmittel/Malerzubehör. Insgesamt werden hier rund 480.000 Menschen beschäftigt. Anfang 2017 gab es bundesweit 2.118 Baumärkte mit mehr als 1.000 qm Verkaufsfläche. Die gesamte Innen-Verkaufsfläche dieser Märkte belief sich auf zwölf Millionen Quadratmeter.


Wettbewerbssituation
Die Baumarktbranche ist gekennzeichnet von Flächenüberhang, massiven Werbekampagnen und Preiskämpfen. Die Wettbewerbsintensität nimmt weiter zu. Wesentliche Gründe dafür sind:Der Online-Generalist Amazon drängt immer stärker (auch) in den DIY-Bereich. Reine Online-Baumärkte sichern sich ihre Stücke vom Umsatzkuchen. Gleichzeitig kommen möbel-orientierte Discounter, wie z.B. Poco, immer mehr nach vorne. Zudem drängen neue ausländische Anbieter auf den Markt, so z.B. die Kingfisher-Tochter Screwfix oder Clas Ohlson. Und nicht zuletzt versuchen die Lebensmitteldiscounter, sich mit eigenen Angeboten (Werkzeuge, Bohrmaschine etc.) Marktanteile zu erkämpfen, ebenso die Supermärkte und Möbelhändler.


Die Top 5 der Baumärkte 2016
UnternehmenUmsatz in Mrd. EuroMärkte
Obi (Tengelmann)7,30651
Bauhaus6,16269
Hornbach4,30154
Zeus (Hagebau u.a.)3,05544
Toom (Rewe)2,70329
Quelle: baumarktmanager.de 2017


11.339 verschiedene Bohrer ...
Die Branche zählte lange zu den ganz „kleinen Lichtern des Online-Handels“. 2014 betrug der Online-Anteil gerade einmal 3,7 Prozent. Die Baumärkte waren lange sehr zögerlich. Jetzt gibt es eine rasante Aufholjagd. Nach Einschätzung des Instituts für Handelsforschung in Köln werden die Bereiche „Heimwerken und Garten“ in den kommenden Jahren „zu den Online-Wachstumsbranchen zählen“ (IFH vom 30.3.2016).

Die Digitalisierung hat die DIY-Branche erfasst, alle großen Baumärkte betreiben heute Onlineshops. Doch der dominierende Player auf diesem Feld ist Amazon. 43 Prozent aller Online-Käufe in diesem Segment wurden zuletzt von ihm generiert, Tendenz steigend. Amazon ist (auch) hier mittlerweile die wichtigste Anlaufstelle für Konsumenten.

In Punkto Sortimentstiefe ist Amazon mit seiner Marktplatzfunktion ohnehin unschlagbar. Das mögen zwei Beispiele verdeutlichen: Unter der Rubrik „Nägel, Schrauben und Befestigungen“ umfasst das Angebot von Amazon sagenhafte 236.735 Artikel. Bei Bohrern war Bauhaus mit 912 Artikeln aufgeführt, während es Amazon auf 11.339 brachte (Lebensmittelzeitung vom 5.8.2016).


Baumärkte unter Druck
Insbesondere jüngere Kunden bestellen immer öfter online. Die Baumarktketten geraten entsprechend unter Druck. Hinzu kommt, dass die Kunden „vor Ort“ deutlich mehr Unterstützung wollen. Das IFH hat ermittelt, dass derzeit nur jeder zweite Baumarktkunde wirklich zufrieden ist.

Die gesamte Branche richtet sich neu aus. Dabei geht es u.a. um die Vernetzung von stationärer und digitaler Einkaufswelt. Die Baumarkthändler setzen auf das Multichannel-System. Die Kunden können im Netz kaufen und im Markt die Ware abholen. Einige Anbieter haben sogenannte Click&Collect-Services (Onlinereservierung mit anschließender Abholung vor Ort). Darüber hinaus gibt es zunehmend Home-Delivery-Angebote (Lieferung von stationär erworbenen Waren zum Kunden).

Viele Kunden erwarten deutlich mehr Beratung, insbesondere mehr Montageservice. „Do it for me“ statt „Do it yourself“ sei der Trend, so das IFH in seiner Untersuchung. Mehr Service ist ausdrücklich erwünscht – auch gegen Geld. Eine aktuelle Studie belegt, dass viele Heimwerker und Hobbybastler bereit sind, sich bei der Umsetzung ihrer DIY-Projekte fachkundig helfen zu lassen – auch wenn es etwas kostet.


Dr. Jürgen Glaubitz
Redaktioneller Stand: Mai 2017