Soziale Schichten
Die soziale Ungleichheit in der Gesellschaft wird in weiten Bereichen der Wissenschaft als soziale Schichtung dargestellt. Personen mit gemeinsamen sozialstrukturellen Merkmalen bilden danach eine Schicht (Sozialstruktur der Gesellschaft). Es wird angenommen, dass die verschiedenen Schichten hierarchisch aufeinander aufbauen und sich innerhalb einer Schicht viele von der sozialen Stellung her gleiche Akteure befinden. Oftmals wird dies dann als Zwiebel oder Haus dargestellt.
In der Schichtungssoziologie gibt es die verschiedensten Ordnungsmerkmale, nach denen soziale Schichten gebildet werden können. Beispiele sind Beruf, Bildungsstand, politische Meinung, Einkommen, Macht etc. Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen objektiven und subjektiven Schichtungskriterien. Im Folgenden zwei aktuelle Beispiele:
Schichten der Gesellschaft nach Einkommen
(nach dem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen in % der Bevölkerung, 2005)
Schicht | in Prozent |
Höherer Wohlstand (über 200 Prozent) | 4,2 |
Relativer Wohlstand (150 bis 200 Prozent) | 8,4 |
Gehobene Einkommenslage (125 bis 150 Prozent) | 10,1 |
Mittlere bis gehobene Einkommenslage (100 bis 125 Prozent) | 16,7 |
Untere bis mittlere Einkommenslage (75 bis 100 Prozent) | 26,3 |
Prekärer Wohlstand (50 bis 75 Prozent) | 23,8 |
Relative Armut | 10,6 |
Quelle: Statistisches Bundesamt 2006. (100 Prozent = Durchschnittseinkommen)
In der öffentlichen Diskussion um Armut und Reichtum spielt derzeit eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung eine große Rolle. Die Sozialforscher haben aufgrund einer Befragung von über 3000 wahlberechtigten Deutschen insgesamt neun "politische Typen" gebildet. Acht Prozent werden dabei von den Autoren als "abgehängtes Prekariat" bezeichnet, bei dem das Verlierergefühl am stärksten ist. Dieses Ergebnis war Anlass für die Debatte um sogenannte Unterschichten.
"Politische Typen"
Gesellschaftliche Struktur in Deutschland | in Prozent aller Befragten |
Leistungsindividualisten | 11 |
Etablierte Leistungsträger | 15 |
Kritische Bildungseliten | 9 |
Engagiertes Bürgertum | 10 |
Zufriedene Aufsteiger | 13 |
Bedrohte Arbeitnehmermitte | 16 |
Selbstgenügsame Traditionalisten | 11 |
Autoritätsorientierte Geringqualifizierte | 7 |
Abgehängtes Prekariat | 8 |
Quelle: Friedrich-Ebert-Stiftung/TNS Infratest Sozialforschung: Gesellschaft im Reformprozess, Juli 2006
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich Deutschland als Drei-Drittel-Gesellschaft darstellen lässt. Die Menschen im oberen Drittel haben gesicherte Chancen und Lebensperspektiven. In der "Mitte" der Gesellschaft macht sich Verunsicherung breit. Im "unteren" Drittel wachsen die Unzufriedenheit mit den politischen Realitäten und der Politik sowie das Risiko der sozialen und politischen Abkoppelung.
Soziale Klassen
Im Gegensatz zur Theorie der sozialen Schichtung steht das Modell der sozialen Klassen. Nach Karl Marx (1818-1883) definiert sich eine soziale Klasse über die Stellung ihrer Angehörigen im Produktionsprozess ("Lohnarbeit" und "Kapital").
Dr. Jürgen Glaubitz
(Abteilungsleiter Wirtschafts- und Strukturpolitik, ver.di-Landesbezirk NRW)
Redaktioneller Stand: November 2006
