Prekäre Beschäftigung
Prekär - lat.-fr.: unsicher, schwierig
Unter prekärer Beschäftigung bzw. Prekarisierung versteht man die seit den 80er Jahren wachsende Zahl "untypischer", weitgehend ungeschützter Beschäftigungsverhältnisse in der Arbeitswelt. Dazu zählen u.a. befristete Arbeitsverhältnisse, Leiharbeit, Zeitarbeit, (Schein-) Selbstständigkeit, Niedriglohnjobs u.Ä.
Dem steht der Rückgang unbefristeter Vollzeitbeschäftigungsverhältnisse gegenüber. Dieses sogenannte Normalarbeitsverhältnis basiert auf gesetzlichen Schutzrechten, kollektiven Tarifleistungen und verschiedenen betrieblichen Vergünstigungen (Betriebsrenten, Sozialpläne, Qualifizierungsmaßnahmen).
Kritiker sehen in der Prekarisierung eine gesellschaftliche Tendenz zur Umwälzung der gesamten Arbeits- und Lebensverhältnisse. Die Lebensumstände der von Prekarisierung betroffenen Menschen sind zumeist sehr unbefriedigend.
Der Begriff hat insbesondere im Zusammenhang mit der aktuellen Debatte um "Unterschichten" wieder an Bedeutung gewonnen. In der viel zitierten Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung "Gesellschaft im Reformprozess" werden acht Prozent der Deutschen zur Schicht des "abgehängten Prekariats" gerechnet.
Prekariat
Dieser Begriff vereinigt die Bezeichnungen prekär und Proletariat. Er geht auf den französischen Wissenschaftler Pierre Bourdieu (1930 - 2002) zurück.
Dr. Jürgen Glaubitz
(Abteilungsleiter Wirtschafts- und Strukturpolitik, ver.di-Landesbezirk NRW)
Redaktioneller Stand: Oktober 2006
