Netzplantechnik
Die Netzplantechnik hat sich als eine in der Praxis erfolgreich einsetzbare Planungsmethode bewährt. Denn sie ermöglicht die reibungslose Koordination komplexer Vorgänge und damit Zeitersparnisse.
Die Netzplantechnik dient der Planung und Kontrolle von Projekten. Projekte bestehen aus einer großen Anzahl von Tätigkeiten, die in Beziehung zueinander stehen und die durch einen definierten Anfang und ein definiertes Ende gekennzeichnet sind. Die Hauptaufgabe der Netzplantechnik besteht in der exakten und lückenlosen Abstimmung der verschiedenen Tätigkeiten eines Projekts. Die einzelnen Aktivitäten werden zeitlich, aber auch kosten- und kapazitätsmäßig so koordiniert, dass das gesteckte Ziel termingerecht und auf wirtschaftliche Art und Weise erreicht wird.
Soll ein Projekt mit Hilfe der Netzplantechnik geplant werden, steht zu Beginn eine Strukturanalyse. Hierbei werden alle zu einem Projekt gehörenden Tätigkeiten systematisch dargestellt und ihre Abhängigkeiten untereinander untersucht. Ist das Projektziel beispielsweise der Bau eines Hauses, dann können u.a. folgende Tätigkeiten genannt werden: Erdarbeiten durchführen, Rohbau erstellen, Innenausbau durchführen. Diese Haupttätigkeiten werden weiter in Einzeltätigkeiten gegliedert: Beton anliefern, Dach eindecken usw. Die Abhängigkeiten sind hierbei unmittelbar ersichtlich. Der Rohbau beispielsweise kann natürlich erst nach Abschluss der Erdarbeiten erstellt werden.
Nach der Strukturanalyse folgt die Zeitanalyse. In dieser Phase wird der zeitliche Ablauf des Netzplans festgelegt. Für jede Tätigkeit wird eine Zeitdauer ermittelt, also die Zeitspanne zwischen Beginn und Ende der Tätigkeit. Die Zeitanalyse muss mit großer Sorgfalt durchgeführt werden, da mit dieser Analyse die gesamte Dauer des Projekts bestimmt wird.
Ursprünglich war die Netzplantechnik eine Terminplanungsmethode und beinhaltete daher nur die Struktur- und Zeitanalyse. Zu einer umfassenden Projektplanung gehören aber auch Kapazitäten und Kosten. Insbesondere dann, wenn mehrere Projekte gleichzeitig um insgesamt begrenzte Kapazitäten konkurrieren. Im Interesse der unternehmerischen Zielsetzung ist eine integrierte Planung von Zeiten, Kapazitäten und Kosten erforderlich.
Die Netzplantechnik wird hauptsächlich bei größeren, komplexen Vorhaben angewendet, bei denen z.B. verschiedene Bereiche eines Unternehmens, aber auch mehrere Unternehmen (z.B. Arbeitsgemeinschaften in der Bauindustrie), an der Abwicklung beteiligt sind. Das Anwendungsspektrum der Netzplantechnik ist groß. Es reicht von der Industrie über die Dienstleistungsbranche bis zur öffentlichen Verwaltung. Im Einzelnen kann es z.B. um Folgendes gehen:
- Markteinführung neuer Produkte
- Forschungs- und Entwicklungsvorhaben
- größere Investitionsprojekte (z.B. U-Bahn-Bau, Industrieanlagen)
- umfangreiche Reparaturmaßnahmen (z.B. Neuzustellung eines Hochofens), aber auch
- Planung von Organisationssystemen
- Durchführung eines Jahresabschlusses.
Auch im privaten Bereich kann die Netzplantechnik nutzbringend eingesetzt werden, z.B. bei der Planung und Durchführung eines Umzugs.
Prof. Dr. Reimund Franke
Redaktioneller Stand: März 2008