Investitionsrechnung

Investitionen beeinflussen nachhaltig das betriebliche Geschehen. Die Langfristigkeit der Kapitalbindung verursacht gleichermaßen schwer abschätzbare Chancen und Risiken. Durch Investitionen werden vorhandene Kapazitäten modernisiert (Ersatzinvestition) und/oder ausgebaut (Erweiterungsinvestition). Damit verbunden ist in aller Regel eine Erhöhung der Fixkosten. Dies wiederum erfordert ein hohes Beschäftigungsniveau, wenn die Kapazitäten wirtschaftlich genutzt werden sollen. Die Anpassung gegenüber konjunkturellen Schwankungen wird eingeschränkt, und die Gefahr von Fehlinvestitionen steigt. Andererseits eröffnet sich aber auch die Chance, dass man rechtzeitig mit einem neuen Produkt/einer neuen Dienstleistung am Markt präsent ist. Dies kann zu einem Wettbewerbsvorsprung von gewisser Dauer führen. Investitionsvorhaben müssen daher sehr sorgfältig geprüft werden. Dieser Prozess wird durch Investitionsrechnungen unterstützt, indem die finanzielle Vorteilhaftigkeit von Investitionen ermittelt wird. Oft sind für die Entscheidungsfindung neben quantitativen (also finanziellen) Größen auch nicht quantifizierbare Einflussfaktoren zu berücksichtigen. So kann zum Beispiel durch Investitionen die Qualität der Produkte erhöht werden, oder es ergeben sich Verbesserungen im Hinblick auf den Unfallschutz. Nicht zu unterschätzen sind personalpolitische Konsequenzen, die oft mit Investitionen verbunden sind.

Methodisch lassen sich die Investitionsrechnungen in statische und dynamische Verfahren unterteilen.

Statische Verfahren

Bei den statischen Verfahren der Investitionsrechnung werden alle Zahlen auf ein Jahr bezogen. In aller Regel werden die Zahlen des ersten Jahres nach Inbetriebnahme des Vorhabens zur Grundlage der Rechnung. Dabei wird unterstellt, dass der berücksichtigte Zeitraum repräsentativ für die gesamte Nutzungsdauer ist. Dies ist sicherlich eine stark vereinfachende Annahme. Insofern werden die statischen Verfahren in erster Linie bei Vorhaben mit geringer Investitionssumme und kurzer Nutzungsdauer (maximal 5 Jahre) eingesetzt. Insgesamt haben diese Verfahren eine erhebliche praktische Bedeutung erlangt; dies liegt an der einfachen Rechenmethode.

Dynamische Verfahren

Die dynamischen Verfahren andererseits berücksichtigen die gesamte Nutzungsdauer, indem jedes Jahr individuell betrachtet wird. Der wesentliche Unterschied zu den statischen Verfahren besteht darin, dass der zeitliche Unterschied der Zahlungen Berücksichtigung findet, weil der Einfluss der Verzinsung beachtet wird. Die dynamischen Verfahren ermöglichen also eine Aussage über die Verzinsung (Rentabilität) des durch die Investition gebundenen Kapitals. Damit werden Informationen bereitgestellt, die für die Investitionsentscheidung von wesentlicher Bedeutung sind. Auch mit Hilfe der statischen Verfahren werden Rentabilitäten ermittelt. Diese Kennzahlen berücksichtigen jedoch nicht den zeitlichen Unterschied bei den Zahlungen. Daher werden bei wichtigen Investitionen die dynamischen Verfahren bevorzugt eingesetzt.

Prof. Dr. Reimund Franke

Redaktioneller Stand: Januar 2008