Balanced Scorecard (BSC)

Engl.: scorecards = messbare Größen; balanced = ausgewogen
stakeholder = Interessenvertreter

Balanced Scorecard ist ein in den USA entwickeltes ganzheitliches Managementsystem. Als Erweiterung des in der Betriebswirtschaft verbreiteten Shareholder-Value-Ansatzes (siehe dazu das Stichwort "Shareholder Value") will die BSC das Unternehmen in seinem gesamten sozioökonomischen Zusammenhang erfassen und die Interessen der verschiedenen Anspruchsgruppen (Stakeholder) miteinander in Einklang bringen.

Das Balanced-Scorecard-Konzept versucht, alle Bereiche eines Unternehmens auf verschiedenartige Unternehmensziele mit Hilfe messbarer Größen transparent und ausgewogen darzustellen. Neben den Interessen der Shareholder werden die Interessen der Kunden und Lieferanten sowie der Beschäftigten berücksichtigt.

Ziel ist die strategische und ganzheitliche Steuerung eines Unternehmens. Dabei werden die Unternehmensziele auf vier zentrale Bereiche (Finanzen, Kunden, Prozesse, Mitarbeiter) heruntergebrochen und in geeignete Kennzahlen übersetzt. Es soll dabei eine Balance zwischen der langfristigen Orientierung des Unternehmens und der konkreten operativen Arbeit hergestellt werden. Gleichzeitig sollen nicht nur "harte" Zielkennzahlen angesteuert werden, sondern auch weiche Größen wie Kundenzufriedenheit und Mitarbeiterzufriedenheit.

Das Unternehmen wird aus vier verschiedenen Blickwinkeln betrachtet:

Finanzen

Hier wird gefragt, zu welchem finanziellen Erfolg eine bestimmte Strategie führt.
Kennziffern sind u.a. Umsatz, Gewinn, Eigenkapitalrendite.

Kunden

Hier geht es darum, die richtige Strategie (bezogen auf die jeweiligen Kunden und Absatzmärkte) zu finden.
Kennziffern sind u.a. Marktanteile, Kundenbindung, Kundenakquisition und Kundenzufriedenheit.

Prozesse

Hier geht es um die Gestaltung und Verbesserung der internen Abläufe.
Kennziffern sind Ausschuss, Produktivität, Durchlaufzeit u.a.m.

Mitarbeiter

Hier wird u.a. gefragt, was zu tun ist, um die Beschäftigten zu befähigen, die Unternehmensziele zu erreichen. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist die Qualifikation bzw. Qualifizierung der Beschäftigten.

Kennziffern sind Betriebsklima, Krankenstand und Mitarbeiterzufriedenheit usw.

  • Betriebsräte können im Interesse der Belegschaften auf die Gestaltung von BSC Einfluss nehmen, indem sie sich rechtzeitig und aktiv an den Diskussionen und Analysen beteiligen.

Beim Balanced-Scorecard-Konzept soll eine Balance zwischen externen und internen sowie vergangenheitsbezogenen und zukunftsorientierten Messgrößen hergestellt werden. Soweit die Theorie. In der Praxis stellt sich dies aber wesentlich komplizierter dar. Eine wesentliche Frage ist, wer überhaupt als Stakeholder in Betracht zu ziehen ist.

Kritiker werfen der Balanced Scorecard vor, dass sie sich in der Praxis immer noch zu stark an finanzwirtschaftlichen Zielgrößen orientiert, also vorrangig doch den Interessen der Shareholder verpflichtet ist.

Dr. Jürgen Glaubitz
(Abteilungsleiter Wirtschafts- und Strukturpolitik, ver.di-Landesbezirk NRW)

Redaktioneller Stand: Februar 2006