Was sind eigentlich Private-Equity-Fonds?
Ähnlich wie die Hedge-Fonds sammeln auch diese Fonds vorrangig das "überschüssige" Geld potenter Anleger, um es weltweit möglichst gewinnmaximierend zu platzieren. Während die Hedge-Fonds an den Börsen agieren und dabei weitgehend im Verborgenen bleiben, konzentrieren sich die Private-Equity-Fonds auf das Kapital außerhalb der Börsen.
Einige der bekanntesten Private-Equity-Fonds sind:
- Blackstone, GS Capital Partners, Warburg Pinus, Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR), Apollo Management, Permira, Apax Partners, BC Partners, TPG, CSFB u.v.a.m.
Von dem Geld vermögender Investoren kaufen die Fonds mittelständische Unternehmen und verkaufen sie innerhalb von 2 bis 5 Jahren wieder mit Gewinn. Die Anleger sind anteilig am Gewinn beteiligt. Oftmals setzen die Fonds während dieser Zeit angelsächsische Managementmethoden durch. Sie "trimmen" die erworbenen Unternehmen regelrecht auf Rendite, sei es durch Sparrunden und/oder Umbau (Umstrukturierung, Zerschlagung, Sanierung). Entscheidend ist, dass der Wiederverkaufswert deutlich erhöht wird. Bei jungen Unternehmen wird oft versucht, im Zuge eines Börsengangs Kasse zu machen.
Berüchtigt sind die Finanzierungsmethoden dieser Fonds:
- Sie operieren mit wenig eigenem Geld - sie kaufen mit geliehenen Geld eine Firma.
- Zinsen für das Fremdkapital werden aus der übernommenen Firma bzw. aus deren Ertrag abgesichert.
- Die übernommene Firma macht deshalb i.d.R. binnen Kurzem enorme Schulden - Zinskosten drücken das Ergebnis ...
- Die übernommene Firma zahlt keine Steuern mehr (Verlustvorträge), d.h. das Finanzamt bzw. die Allgemeinheit subventioniert die Übernahme!
Derzeit sind in Deutschland 20 Milliarden Euro Private-Equity-Mittel in 5.500 Firmen investiert. In diesen Firmen arbeiten (noch) 640.000 Menschen - mit einem Jahresumsatz von 115 Milliarden Euro. Nach Verlautbarungen der Fonds sollen im Jahr 2006 100 Firmen "börsenreif" sein. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland noch weit zurück. Misst man die Private-Equity-Investitionen am jeweiligen Bruttoinlandsprodukt, so liegen Großbritannien, Schweden, Frankreich und andere europäische Länder weit vor Deutschland.
In Europa werden derzeit rund ein Drittel aller Akquisitionen mit Hilfe der Private-Equity-Häusern getätigt. Insider sehen für diese Fonds erhebliche Wachstumsraten, u.a. wegen der zunehmenden Verschärfung der Bedingungen für die Kreditvergabe von Banken ("Basel II").
Während die Einen diese Fonds als sinnvolle Finanzierungsalternative betrachten, fürchten andere (insbesondere "Betroffene") deren z.T. äußerst aggressive Politik.
Bundesweit bekannt geworden ist die Thematik im Zusammenhang mit der Übernahme der Fa. Grohe. Diese wurde 1999 an die Kapitalfondsgesellschaft BC Partner für 0,9 Mrd. Euro verkauft. Im Jahr 2004 wurde sie an TPC (Texas Pacific Group) und Credit Suisse Equity (CSFB) für 1,8 Mrd. Euro weitergereicht. In der Zwischenzeit hat sich wg. der anstehenden Zahlung der Zinsen ein riesiger Schuldenberg angehäuft. Ein Teil der Produktion soll ins Ausland verlegt werden, in 2005 sollen 1240 Arbeitsplätze gestrichen werden. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung stellte dazu kritisch fest: "Die Belegschaft muss dafür bluten, dass die Fonds den Kaufpreis mehr als ausgereizt haben."
Dr. Jürgen Glaubitz
(Abteilungsleiter Wirtschafts- und Strukturpolitik, ver.di-Landesbezirk NRW)
Redaktioneller Stand: 5. Oktober 2005
