Deren Renten sind sicher: Manager sahnen auch im Alter ab

Norbert Blüm hatte doch recht! Die Renten sind sicher. Leider aber nur für eine sehr kleine Schicht, die Topmanager der deutschen Kapitalgesellschaften. Die Hans-Böckler-Stiftung hat ausgerechnet, auf welch astronomisch hohen Summen es die Vorstandsvorsitzenden im Alter bringen. Danach erhält der Eon-Chef Bernotat zukünftig Monat für Monat 72.300 Euro überwiesen.

Nach Berechnungen der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) erhielten die Vorstandsvorsitzenden 2006 19 Prozent mehr Gehalt als ein Jahr zuvor. Im Durchschnitt waren es 4,6 Millionen Euro. Die Vorstands-Elite hat damit in den letzten drei Jahren ihr Einkommen verdoppeln können!

Man sollte meinen, das wäre genug, um sich davon etwas fürs Alter zurückzulegen. Aber darum müssen sich die Herrschaften gar nicht selber kümmern. Für die Manager-Elite gibt's das Rundum-Sorglos-Paket. Geld ist ja genug da!

Pensionsansprüche der Vorstandsvorsitzenden (Auszug)

Name

Erreichte Pensionsleistung pro Jahr in Euro

Monatlicher Rentenanspruch in Euro

Wulf H. Bernotat, Eon

868.000

72.300

Michael Frenzel, Tui

720.000

60.000

Ekkehard Schulz, Thyssen-Krupp

569.000

47.400

Ulrich Lehner, Henkel

531.000

44.250

Klaus-Peter Müller, Commerzbank

456.000

38.000

Harry Roels, RWE

400.000

33.400

Wolfgang Reitzle, Linde

392.000

32.700

Nikolaus von Bomhard, Münchener Rück

380.000

31.700

Henning Kagermann, SAP

290.000

24.200

Nikolaus Schweickart, Altana

240.000

20.000

Quelle: HBS (Dr. M. Müller)

  • Die Zahlen können nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit zeigen, denn nur zehn der 30 Dax-Unternehmen weisen die individuellen Ansprüche der Vorstandsvorsitzenden in ihren Geschäftsberichten aus.

Durchschnittsrenten sind gesunken

Erst kürzlich wurden die Zahlen der durchschnittlichen Versichertenrenten veröffentlicht. Nach Auskunft der Deutschen Rentenversicherung bekommt heute ein Neurentner 984,18 Euro. Gegenüber dem Jahr 2001 ist dies ein Minus von 13,7 Prozent! Und selbst wenn jemand 45 Jahre vollzeitbeschäftigt war und immer durchschnittlich verdient hat, kommt er heute als sogenannter Eckrentner gerade einmal auf 1.066 Euro. Ein Leben in Saus und Braus kann man damit nicht führen.

Manch einer dieser Rentner wird sich angesichts der unverschämt hohen Pensionsansprüche unserer Wirtschaftselite verwundert die Augen reiben. Irrsinnig hohe Vorstandsgehälter, horrende Ruhestands-Zahlungen auf der einen Seite - und wenn einmal jemand seinen Vorstandsposten verlassen muss (oft wg. schlechter Leistung), gibt es noch einen goldenen Handschlag.

Profit statt Moral heißt heute offenbar das Motto in den Konzernen. Höhere Renditen und Vorstandsgehälter werden durch stagnierende Löhne, Mehrarbeit oder Entlassungen vor allem von den Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmern erwirtschaftet. Die Rekordgehälter, Altersbezüge und Abfindungen der Manager werden von den Beschäftigten bezahlt. Diese Entwicklung vergiftet das gesellschaftliche Klima im Lande.

Dr. Jürgen Glaubitz
(ehemals Abteilungsleiter Wirtschafts- und Strukturpolitik, ver.di-Landesbezirk NRW)

Redaktioneller Stand: August 2007