Globalisierung - Pro und Kontra
Unter Globalisierung versteht man Prozesse einer zunehmenden internationalen Verflechtung verschiedenster Bereiche (Wirtschaft, Politik, Kultur, Umwelt usw.). Unter rein ökonomischer Betrachtung handelt es sich um die strategische Ausrichtung grenzüberschreitend tätiger Unternehmen, deren Ziel es ist, durch Ausnutzung von Kosten- und Standortvorteilen in verschiedenen Ländern Wettbewerbsvorteile zu erzielen.
Mehrere internationale Organisationen haben einen besonderen Anteil an dieser Entwicklung. Zu nennen sind hier u.a.:
WTO
Welthandelsorganisation - ihr Ziel ist die Liberalisierung des internationalen Handels.
IWF
Internationaler Währungsfonds - maßgeblicher Akteur bei der Regulierung der Weltfinanzen und beim Management der internationalen Schuldenkrise.
OECD
Organisation for Economic Co-operation and Development - Ziel ist die Förderung der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Die OECD ist eine Organisation der westlichen Industrieländer.
ILO
International Labour Organization (Internationale Arbeitsorganisation) - eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Ihr Ziel ist die Durchsetzung internationaler Arbeits- und Sozialnormen.
Über das Pro und Kontra der Globalisierung wird in den letzten Jahren zunehmend kontrovers diskutiert. Folgende Argumente der Globalisierungsbefürworter und -gegner treffen dabei immer wieder aufeinander:
Pro
- Globalisierung fördert Wachstum und erhöht den Wohlstand der beteiligten Produzenten.
- Durch weltweit wachsende Arbeitsmärkte steigen Exporte, andere Güter können billiger importiert werden.
- Globalisierung führt zu einer Beschleunigung des technischen Fortschritts.
- Globalisierung fördert den Kulturaustausch - die Menschen lernen voneinander ...
Kontra
- Globalisierung konzentriert sich auf Märkte und Geschäftsbeziehungen; Menschenrechte, Arbeitnehmerrechte, ökologische Standards und Demokratie bleiben unberücksichtigt.
- Globalisierung (in seiner neoliberalen Ausprägung) führt zu einer deregulierten Öffnung der Märkte. Die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen führt zu einer Zunahme der weltweiten sozialen Ungleichheiten.
- Globalisierung führt zu Lohnsenkungen in den reicheren Ländern.
- Globalisierung führt weltweit zu einem massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit.
In der deutschen Bevölkerung wird das Thema mittlerweile durchaus kritisch gesehen. In einer aktuellen Allensbach-Umfrage befürchten die meisten Menschen durch die zunehmende internationale Verflechtung mehr Risiken als Chancen. 61 Prozent der Bevölkerung meinen, dass durch die Globalisierung Arbeitsplätze verloren gehen. 1998 waren es "nur" 48 Prozent.
Im Zusammenhang mit der Kritik an den Folgen der fortschreitenden Globalisierung wird immer lauter die Forderung nach Einführung weltweiter sozialer und ökologischer Mindeststandards erhoben.
Dr. Jürgen Glaubitz
(Abteilungsleiter Wirtschafts- und Strukturpolitik,ver.di-Landesbezirk NRW)
Redaktioneller Stand: August 2006
