Finanzkrise, Teil 3: Zitate und Fakten zur Krise

Oft ist nicht nur wichtig, was gesagt wird, sondern auch, von wem und wann dies gesagt wird ...

  •  „Gieriges Schwein“ (Schlagzeile im Daily Mirror zu dem „Treiben“ des Chefs eines Hedge-Fonds, in: Handelsblatt vom 26. September 2008).

  • „Bankräuber“ (John Sentamu, Erzbischof von York, über Finanziers, die auf Kursverluste von Banken wetten, in: Handelsblatt vom 26. September 2008).

  • „Es hat die Gier Einzug gehalten, alle Dämme sind gebrochen“ (der Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann in der tagesschau vom 20. September 2008).

  • „Sie sind wie Plünderer nach dem Hurrikan“ (der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo über die Hedge-Fonds-Branche, in: Handelsblatt vom 22. September 2008).

  • „Sie belogen ihre Kunden und bescherten der Welt eine der größten Kapitalvernichtung der Geschichte“ (Stern 40/2008, S. 34).

 

Könige der Wall Street

„Sie waren Könige der Wall Street und lebten in einem Kosmos, den sie sich selbst erschaffen hatten. Mit Landhäusern, Flugzeugen und exorbitanten Gehältern. Die Bosse der Investmentbanken jonglierten mit immer komplizierteren Fonds und Wertpapier-Varianten, die sie kaum mehr durchschauten. Und brachten das globale Finanzsystem an den Rand des Abgrunds“.

Richard Fuld, 62, Chef von Lehman Brothers:

  • Verlust: 8,6 Milliarden Dollar
  • Jahresverdienst: 41 Millionen Dollar.

James E. Cayne, 74, Chef von Bear Stearns:

  • Wertverlust: 19,8 Milliarden Dollar
  • Jahresverdienst: 68 Millionen Dollar.

Stanley O’Neal, 56, Chef von Merrill Lynch:

  • Verlust: 52 Milliarden Dollar
  • Abfindung: 161 Millionen Dollar.

John J. Mack, 63, Chef von Morgan Stanley:

  • Verlust: 11 Milliarden Dollar
  • Jahresverdienst: 40 Millionen Dollar.

Robert Willumstad, 62, Chef von AIG:

  • Verlust: 80 Milliarden Dollar
  • Jahresverdienst: 1 Million Dollar plus Optionen.

 

Quelle: Stern 40/2008, S. 30 ff.

 

  • „Es muss Schluss sein mit dem wahnsinnigen Streben nach immer höherer Rendite“ (Bundesfinanzminister Peer Steinbrück).

  • „Während der letzten acht Jahre wurde der Konsumentenschutz vernichtet, es wurde auf Kontrollen verzichtet, aber gleichzeitig kassierten die Firmenchefs völlig überzogene Sonderzahlungen“ (Barack Obama, in: Handelsblatt vom 16. September 2008).

  • „Finanzmärkte stützen sich auf Vertrauen, und dieses Vertrauen ist erschüttert“ (Nobelpreisträger Joseph Stiglitz).

  • „Vertrauen kann der Markt nicht herstellen, konnte er noch nie. Das kann nur die Regierung durch Gesetze, Kontrolle und in letzter Instanz Eingriffe in den Markt“ (Frankfurter Rundschau vom 19. September 2008).

  • „Kommt es zum Crash, wird die Realwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen. Zwischenzeitlich haben die Herrschaften die Boni aber längst abgesahnt“ (Ulrich Thielemann).

  • „Bleibt die Ungerechtigkeit, das Gefühl, dass die Gewinne privatisiert, die Verluste aber sozialisiert werden. Die Millionen, die die Banker im Boom einsackten, rücken sie nicht mehr raus“ (Kommentar in der Frankfurter Rundschau vom 20. September 2008).

  • „Spekulationsverluste dürfen nicht sozialisiert werden“ (Pressemitteilung des DGB vom 25. September 2008).

  • „Wenn nichts mehr geht, dann springen am Ende Regierung oder Notenbank ein“ (Handelsblatt vom 18. September 2008).

  • „Die Rettung der Finanzwelt in letzter Minute trägt absurde Züge: Am lautesten schreien jene Banker nach dem Staat, die sich bisher für das freie Spiel der Kräfte stark machten“ (Stern 40/2008, S. 30 ff.).

  • „Finanzmärkte müssen massiv reguliert werden. Denn sie erzeugen gefährliche Spielzeuge, indem Leute in ihrer Gier nach kurzfristigem Gewinn auf unverantwortliche Weise mit dem Geld anderer Leute spekulieren in der Hoffnung, dass es genügend Dumme in der Welt gibt, die nicht merken, wie sie von smarten Bankern über den Tisch gezogen werden“ (der ehemalige Finanz-Staatssekretär Heiner Flassbeck, in: taz vom 18. September 2008).

  • „Die neoliberale These, dass der Markt alles richtet, ist falsch“ (der Unionsfraktionschef Volker Kauder, in: Handelsblatt vom 26. September 2008).

  • „Karl Marx hatte recht, als er die Risiken des ungezähmten Kapitalismus anprangerte“ (Rowan Williams, der Erzbischof von Canterbury, in: Handelsblatt vom 26. September 2008).

 

Siehe auch unsere Beiträge

 

Siehe auch: Glaubitz, Profit statt Moral

 

Dr. Jürgen Glaubitz
(ehemals Abteilungsleiter Wirtschafts- und Strukturpolitik, ver.di-Landesbezirk NRW)

Redaktioneller Stand: Oktober 2008