Euro
Der Euro ist die Währung der Europäischen Währungsunion und neben dem US-Dollar die wichtigste Währung im Weltwährungssystem. Hierzulande in der Euro bei vielen als "Teuro" verschrien - Schlagzeilen macht der Euro derzeit aber vor allem auf dem internationalen Parkett: Vom "Höhenflug des Euro" und dem "Niedergang des Dollar" ist da oft die Rede. Grund genug, einmal genauer hinzuschauen.
Einführung des Euro
Auf dem Weg zur europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) wurden in der sogenannten dritten Stufe (Beginn: 1.1.1999) folgende Punkte vereinbart:
- Festlegung der Umtauschkurse der Teilnehmerwährungen
- Einheitliche Geldpolitik durch das Europäische System der Zentralbanken
- Ausgabe von Noten und Münzen in Euro, Ersatz der nationalen Geldzeichen (Januar 2002).
Der Euro wurde 1999 zunächst nur als Buchgeld eingeführt. Am 1.1.2002 wurde dann erstmals Euro-Bargeld in Umlauf gebracht. Damit löste der Euro in den betroffenen Ländern die bis dahin verwendeten nationalen Währungen ab. Der Euro ist also die gemeinsame Währung aller an der Europäischen Währungsunion beteiligten Länder. In diesen Ländern wurden die nationalen Währungen (in Deutschland die DM) auf der Grundlage unwiderruflicher Euro-Umrechnungskurse auf Euro umgestellt (1 Euro = 1,95583 DM).
Europäische Zentralbank
Mitte 1998 wurde die Europäische Zentralbank gegründet. Geldpolitische Entscheidungen werden im Rat der Europäischen Zentralbank zentral getroffen. Der Rat der Zentralbank setzt sich aus den Präsidenten der zentralen Notenbanken und dem Direktorium der europäischen Zentralbank zusammen. Ihre zentrale Aufgabe ist die Sicherung der Preisstabilität. Daneben soll sie die Wirtschaftspolitik der Mitgliedsstaaten unterstützen. Präsident: Jean-Claude Trichet; Sitz: Frankfurt am Main.
Euroländer
Der Euro ist das offizielle Zahlungsmittel in 13 (der insgesamt 27) EU-Staaten. Anfang 2008 werden Malta und Zypern dazukommen.
Einführung des Euro im Rahmen der EWWU
Land - Einführung als Bargeld
Belgien - 2002
Deutschland - 2002
Finnland - 2002
Frankreich - 2002
Griechenland - 2002
Republik Irland - 2002
Italien - 2002
Luxemburg - 2002
Malta - 2008
Niederlande - 2002
Österreich - 2002
Portugal - 2002
Slowenien - 2007
Spanien - 2002
Zypern (inkl. Nordteil) - 2008
Euro und Wechselkurs
Vor Einführung des Euro wurden die einzelnen Währungen der verschiedenen Länder gegen die Währungen anderer Länder getauscht. Die verschiedenen Volkswirtschaften hatten damit die Möglichkeit, z.B. durch eine Abwertung ihrer Währung die Wettbewerbsbedingungen der nationalen Wirtschaft zu verbessern. In der EU existierte seit 1979 der sogenannte Wechselkursmechanismus, dessen Hauptziel es war, die Wechselkurse und deren Schwankungen zu regeln. Mit der Einführung des Euro hörte dieser Mechanismus auf zu existieren. Es gab nun einen einheitlichen Währungsraum mit Wechselkursen zu den anderen Währungen.
Wechselkurs ist das Verhältnis, zu dem die inländische Währung gegen ausländische Währungen getauscht wird. Der Wechselkurs (auch: Devisenkurs) stellt den Preis in inländischen Währungseinheiten dar, der für eine ausländische Währung zu zahlen ist. So betrugen zum Beispiel am 1. Dezember 2007 die Devisenkurse für einen Euro
- Britisches Pfund = 0,71
- Schweizer Franken = 1,65
- US-Dollar = 1,47.
Für einen Euro bekam man also am 1. Dezember 2007 1,47 US-Dollar. Umgekehrt erhielt man am gleichen Tag für einen US-Dollar 0,66 Euro.
Die Änderungen im Wechselkurs bilden sich auf den sogenannten Devisenmärkten. Für das Auf und Ab der Wechselkurse gibt es verschiedene Erklärungen. Zum einen spielt hier die Entwicklung der Handelsströme (Export/Import) zwischen den Ländern eine wichtige Rolle. Daneben sind auch die Finanzströme wesentlich, wenn beispielsweise amerikanische Fonds im großen Maßstab deutsche Aktien kaufen. Währungen können aber auch aus Spekulationsgründen gekauft und verkauft werden - was dann ebenfalls Auswirkungen auf die Wechselkurse hat.
Euro im Höhenflug
Der Kurs zwischen Euro und Dollar ist einer der wichtigsten Wechselkurse, weil er das Austauschverhältnis der beiden derzeit (noch) bedeutendsten Wirtschaftsblöcke der Welt bezeichnet. Der Euro eilt derzeit von Rekord zu Rekord. Am 20. September 2007 sprang er erstmals über die Marke von 1,40 US-Dollar. Dies wurde seinerzeit schon als "magische Marke" bezeichnet. Diese Entwicklung ging aber anschließend weiter. Ende November 2007 stand er knapp unter 1,50 US-Dollar.
Tatsache ist aber auch, dass der Euro Höhen und Tiefen erlebt hat. Im Januar 2002 kostete ein Dollar noch fast 1,20 Euro.
Euro und Export
Deutschland ist bekanntlich im vierten Jahr hintereinander Exportweltmeister, exportiert also mehr Waren als jedes andere Land weltweit. Derzeit wird viel darüber diskutiert, ob diese herausragende Position durch den schwachen US-Dollar gefährdet ist. Exporte in die USA (oder in den US-Dollar-Raum) sind auf Grund des gestiegenen Euro-Kurses verteuert worden. (Umgekehrt profitieren die deutschen Importeure von der Dollarschwäche - aber auch deutsche Touristen in den USA).
Die Schwäche des Dollars wird in der aktuellen Diskussion stark überbewertet, denn beim Export geht es immer zunächst um die Frage, wohin, also in welche Länder exportiert wird. Tatsache ist, dass im vergangenen Jahr 62 Prozent aller deutschen Ausfuhren in die EU-Mitgliedsländer gingen. Wichtigster Handelspartner ist hier mit zehn Prozent Frankreich. Fast zwei Drittel der deutschen Exporte flossen also in einen Raum, wo der Dollarkurs überhaupt keine Rolle spielt!
In die USA gingen im letzten Jahr neun Prozent aller deutschen Exporte. Und auch hier muss genau hingesehen werden: Betroffen vom schwachen Dollar-Kurs sind nicht alle diese Exporteure, sondern nur die, die die Herstellung ihrer Produkte in Euro bezahlen, aber mit den Kunden in US-Dollar abrechnen. Nach einer Untersuchung der Deutschen Bundesbank werden heute schon 81 Prozent der deutschen Exporte in Euro abgerechnet (Handelsblatt vom 26.11.2007). Darüber hinaus ist von großer Bedeutung, dass die deutsche Wirtschaft in den letzten Jahren ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit massiv verbessert hat. Durch die relativ niedrigen Lohnabschlüsse und die vergleichsweise hohen Produktivitätsfortschritte sind deutsche Produkte international billiger und konkurrenzfähiger geworden. Und zwar in einem Ausmaß, dass nach einer Studie der Deutschen Industriebank selbst ein Dollarkurs von 1,55 gegenüber einem Wechselkurs von 1,40 keine Auswirkungen auf die deutsche Exportwirtschaft hätte (Handelsblatt vom 26.11.2007).
Der wesentliche Teil der deutschen Exporte (fast zwei Drittel) gehen in den Euro-Raum oder aber in Länder, deren Währungen zum Dollar ähnlich stark aufgewertet haben wie der Euro. Und selbst bei den Exporten, die in die USA gehen, muss jeweils geprüft werden, in welcher Währung abgerechnet wird. Die Dollar-Schwäche ist also keineswegs so bedeutend oder gar schädlich für die Exporte, wie bisweilen von interessierter Seite behauptet wird.
Euro und Lohnpolitik in Europa
Komplizierter erscheint dagegen die Situation im Euro-Raum selbst. Die Unternehmen in der EU zielen mit ihren Produkten vor allem auf den europäischen Markt. Deshalb haben sie sowohl ein großes Interesse an der Stärkung der Binnennachfrage (Massenkaufkraft) in Europa als auch an gleichen Wettbewerbsbedingungen. Es gibt nun zunehmend Spannungen, da sich Deutschland in den letzten Jahren auf Grund der überdurchschnittlich großen Produktivitätsfortschritte und der geringen Tarifsteigerungen Wettbewerbsvorteile gegenüber den anderen EU-Ländern verschafft hat. Vor der Euro-Einführung konnten solche Wettbewerbsnachteile durch die Abwertung einer Währung teilweise ausgeglichen werden. Damit ist es nun vorbei. Ebenso wenig kann heute die nationale Notenbank Zinssenkungen durchführen, um die heimische Wirtschaft zu unterstützen, da die Zinspolitik nun Euro-weit geregelt ist.
Andere Länder in Europa werfen Deutschland seit geraumer Zeit vor, sich zu ihren Lasten Konkurrenzvorteile verschafft zu haben. Experten warnen schon vor einer Lohndumping-Spirale im Euro-Raum.
Der Euro erfordert zukünftig eine kooperative und abgestimmte Lohnpolitik im Euro-Raum!
Siehe dazu auch unseren Beitrag
Dr. Jürgen Glaubitz
(ehemals Abteilungsleiter Wirtschafts- und Strukturpolitik,ver.di-Landesbezirk NRW)
Redaktioneller Stand: Dezember 2007
