Einkommensverteilung

Trotz des vergangenen ökonomischen Aufschwungs ist der seit Langem anhaltende Trend zunehmender sozialer Ungleichheit nicht gestoppt worden. Im Gegenteil: Die Einkommen aus Gewinnen und Vermögen sind brutto wie netto noch einmal gestiegen – gleichzeitig erreicht die Lohnquote einen neuen Tiefstand. Vom privat verfügbaren Einkommen fällt heute so viel für Gewinne und Vermögen ab wie niemals zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Das ist das Fazit des aktuellen Verteilungsberichts der Hans-Böckler-Stiftung.

Arm und Reich driften in unserer Gesellschaft immer weiter auseinander: Die Gewinnquote kletterte auf 35,8 Prozent. 1960 waren es gerade einmal knapp 25 Prozent. Umgekehrt konnten sich die Lohnempfänger damals noch 55,8 Prozent sichern – gegenüber 39,3 Prozent heute!

 

Löhne und Gewinne

Jahr

Nettolohnquote

Nettogewinnquote

1960

55,8

24,4

1980

52,7

24,3

1990

48,5

29,7

2000

43,1

30,8

2007

41,2

34,0

2008*

39,3

35,8

Quelle: WSI-Mitteilungen 11/12 2008

* = 1. Halbjahr

 

Trotz relativ guter Arbeitsmarktzahlen im Aufschwung hat es keine Trendwende bei der Verteilung gegeben. Ausschlaggebend dafür ist u.a. die Tatsache, dass viele der neuen Jobs schlecht bezahlt sind und der Niedriglohnsektor in Deutschland weiter ausgedehnt wurde. Der Abschwung dürfte die vorhandene Verteilungsschieflage noch verschärfen!

 

Siehe auch unsere Beiträge

 

Buchtipp: Glaubitz: Profit statt Moral

 

 

Dr. Jürgen Glaubitz
(ehemals Abteilungsleiter Wirtschafts- und Strukturpolitik, ver.di-Landesbezirk NRW)

Redaktioneller Stand: November 2008