Personalabbau ist in vielen Unternehmen zur bitteren Realität geworden. Dabei ist festzustellen, dass sich der Anlass dafür deutlich verändert hat: Griff das Management "früher" zum Mittel des Personalabbaus, wenn Gefahr für ein Unternehmen bestand oder wenn die "Zahlen nicht stimmten", so werden heute oft schon dann Arbeitsplätze abgebaut, wenn der Aktienkurs sich nicht ganz so entwickelt, wie es die Großaktionäre gerne hätten. Und in einigen Konzernen kommt es sogar trotz Rekordgewinn zu Massenentlassungen.
Um ihr Vorgehen zu begründen, greifen die Vorstände fast immer in die gleiche "Argumentekiste". Sie benutzen fast immer identisches Vokabular. Sie verwenden fast immer die gleichen Worthülsen. Nach dem Motto "Wie hätten Sie's denn gern?" Einige Beispiele:
Wichtig für die betriebliche Interessenvertretung ist es, zu erkennen, dass mit solchen Begriffen meistens versucht wird, die Realität zu verschleiern und die Radikalität des Vorgehens zu übertünchen! Es geht nämlich nicht um "Personalanpassung" oder "Standortoptimierung", sondern um Arbeitsplatzvernichtung. Für viele der Betroffenen heißt die Perspektive Hartz IV. Und für die übrig gebliebene Belegschaft bedeutet es in der Regel noch mehr Belastung und zusätzliche Leistungsverdichtung.
Im Übrigen ist zu hoffen, dass das Vorgehen der Manager allmählich stärker in die öffentliche Kritik gerät. Der bekannte Werteethiker Prof. Josef Wieland stellt in diesem Zusammenhang fest: "Der Aufschrei der Empörung kommt natürlich daher, dass hier eigentlich ein moralisches Tabu des rheinischen Kapitalismus, also unserer Gesellschaft, verletzt wird, nämlich dass Personalabbau nur als letztes Mittel in Krisenzeiten sozusagen akzeptiert wird. Nicht aber wenn die Botschaft lautet, die Gewinnlage ist gut."
Dr. Jürgen Glaubitz
(Abteilungsleiter Wirtschafts- und Strukturpolitik, ver.di-Landesbezirk NRW)
Redaktioneller Stand: Juli 2006