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Meinungsmache
Wie Wirtschaft, Politik und Medien uns das Denken abgewöhnen wollen
Autor: Müller, Albrecht / Verlag: Droemer Knaur
Gegen den Lobbyismus der Bertelsmannstiftung, gegen die Privatisierung öffentlicher Einrichtungen, gegen den Ruin der Altersvorsorge und überhaupt gegen den neoliberalen Propagandaapparat - das sind die Lieblingsthemen von Albrecht Müller. Müller ist Publizist und war selbst politisch aktiv, arbeitete als Redenschreiber von Wirtschaftsminister Karl Schiller, dann als Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt von Willy Brandt und Helmut Schmidt.
Aus dieser Perspektive der Aufbruchs- und Demokratisierungspolitik der Siebzigerjahre bezieht Müller seine politischen Maßstäbe. Zwangsläufig erscheint alles, was heute geschieht, als Abstieg. Die SPD der Hartz-IV-Politik gilt ihm als außengesteuerte Partei, die ihre sozialen Grundsätze verraten hat. Die politische "Meinungsmache" sei daran schuld, so die These, dass die Menschen eine gegen sie gerichtete Politik klaglos hinunterschlucken, "dass wir als Steuerzahler so lautlos die Wettschulden derer bezahlen, die sich auf den internationalen Finanzmärkten verspekuliert haben".
Die Medien wiederum, also die "Meinungsmacher", erscheinen in dieser Sicht als ein geschlossener Apparat zur Durchsetzung konservativer Wertvorstellungen und neoliberaler Politik. Vor allem "die Medien" sieht Müller als entscheidend verantwortlich für politische Kampagnen und Richtungsentscheidungen. Dabei lässt er kaum noch ein Blatt, kaum noch einen Sender gelten. Als kontrollierende Macht haben nach Müllers Thesen die Medien versagt, bedienen vielmehr den politischen Mainstream bzw. schaffen ihn selbst. "Der kriminelle Charakter dessen, was in den letzten zwei Jahrzehnten auf den Finanzmärkten geschehen ist, wird von den Medien nicht ans Licht geholt." Die Journalisten wiederum von wenigen Ausnahmen abgesehen, gelten ihm als Transporteure jener "Mythen, Legenden und Lügen", die "in weitem Maße die öffentliche Debatte bestimmen".
Nun ist der Trendwechsel hin zu konservativen Haltungen im Journalismus kaum zu bestreiten. Jeder Blick in "Stern" und "Spiegel", einst Leitmedien sozialliberaler Politik, wird das bestätigen. Auch die wachsende Bedeutung von PR gegenüber unabhängigem Journalismus ist ein gesicherter Tatbestand. Man wird sich freilich auch mit Müller darüber streiten können, ob sein Bild über "die Medien" nicht zu starr ist, ob er nicht Widersprüche auch innerhalb der Medien ausklammert und dadurch politisches Denken und Handeln blockiert.
Es ist jedenfalls nur konsequent, dass Müller eine Perspektive darin sieht, "Gegenöffentlichkeit" zu schaffen. Mit seiner Website "Nachdenkseiten" beteiligt er sich selbst aktiv daran. Hier beobachtet er zusammen mit Gleichgesinnten in enormer Fleißarbeit die tägliche Ideologieproduktion in den Medien und analysiert sie. Die Kommentare und Beurteilungen aus dieser Arbeit bilden das Material für das Buch über die "Meinungsmache". Wer kritischen Umgang mit neoliberalen Politik- und Wirtschaftsinteressen sucht, kann sich in diesem faktenreichen Buch umfassend munitionieren.
Rezensent: Fritz Wolf, Düsseldorf, Januar 2010
448 Seiten
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-426-27458-3
Einband: gebunden
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