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Die Kreditwirtschaft in Deutschland

Die gesamte Kreditwirtschaft ist im Umbruch – alle Banken stehen vor großen Herausforderungen. Die Rahmenbedingungen haben sich massiv verändert. Zu nennen sind hier insbesondere Niedrigzinsphasen, strengere Regulierung, stärkere branchenfremde Konkurrenz und die Digitalisierung. Hinzu kommt ein rasanter Vertrauensverlust der Bevölkerung seit der Finanzkrise. 

Wie weit- und tiefgreifend die Veränderungen sind, kann man am Beispiel des Branchen-Krösus Deutsche Bank erahnen. Dort sollen Tausende Arbeitsplätze abgebaut werden. Betroffen davon sind vor allem Beschäftigte im Privat- und Firmenkundengeschäft. Die Zahl der Filialen wird weiter reduziert. Gleichzeitig soll eine gewisse Anzahl neuer Stellen eingerichtet werden – vorrangig, um das Bankgeschäft zu digitalisieren.


Schwieriges Umfeld
Vor Kurzem informierte die Bundesbank über wichtige aktuelle Kennziffern der Kreditwirtschaft. Zum einen haben die Banken ihr Eigenkapital deutlich erhöht und ihren Verschuldungsgrad senken können. So ist die Kernkapitalquote des gesamten deutschen Bankensystems seit der Lehmann-Pleite von 9,1 auf 15,6 Prozent gestiegen. Gleichzeitig warnt die Bundesbank: „Insbesondere für Kreditinstitute mit einem stark abhängigen Geschäftsmodell ... kann die anhaltende Phase sehr niedriger Zinsen mittel- bis langfristig zu einer wirklich ernsten Gefahr werden“ (Bundesbank, Pressemitteilung vom 25.11.2015). Gemeint sind hier vor allem Genossenschaftsbanken und Sparkassen.


Digitalisierung
Die Digitalisierung hat die Kreditwirtschaft voll erfasst – viele der etablierten Banken haben dies allerdings sehr lange ignoriert. „Heute haben Online-Broker wie DAB, Comdirect und ING-Diba in Deutschland Millionen Kunden und setzen den alteingesessenen Geldhäusern schwer zu“ (Handelsblatt vom 18.6.2015). Die Online-Konkurrenz für die Banken wächst weiter. Unternehmen wie Paypal, Apple oder Facebook setzen mit ihren Bezahlmodellen die Banken zunehmend unter Druck. Im Internet etablierte Firmen wie etwa Apple versuchen ihr Geschäft mit Bankleistungen zu verknüpfen. Die Bundesbank sieht dadurch immer mehr die Branchengrenzen verschwimmen. Auch bei der Kreditvergabe entwickeln sich neue Geschäftsmodelle. Das Internet bietet Anbietern Chancen und eröffnet neuen Konkurrenten den Markteintritt. Zu nennen sind u.a. Hypothekenvermittler und Finanz- und Crowdfunding-Plattformen. 

Die Bundesbank warnt die Banken eindringlich davor, den digitalen Umbruch zu unterschätzen. „Die Digitalisierung in der Finanzbranche hat eine eindeutige und unumkehrbare Dynamik gewonnen.“ In diesem Zusammenhang rät sie den Banken, ihr Filialnetz weiter zu reduzieren. Dieses sei in Deutschland noch recht engmaschig, „und damit entsprechend teuer“. Und weiter: „Die Digitalisierung kann dabei helfen, auch mit einem grobmaschigerem Filialnetz noch eine große Zahl an Kunden zu erreichen“ (Bundesbank, Reden/8.7.2015).

ver.di kommt indes zu einem anderen Ergebnis. Die wichtige Kundenberatung, von der die Banken leben, würde weiterhin vor allem in der Filiale stattfinden, so die Gewerkschaft:  „Die Filialen sind das Fundament für erfolgreiches Banking, nicht der Mühlstein am Hals der Banken!“


Strukturdaten zur Kreditwirtschaft in Deutschland
Die Deutsche Bundesbank weist in einer aktuellen Statistik (Stand Juni 2015) insgesamt 1.989 Banken aus. Über den Zeitraum der letzten 25 Jahre hat sich damit die Anzahl der Kreditinstitute mehr als halbiert. 

Der deutsche Bankenmarkt gliedert sich in:
  • Kreditbanken (oft auch: Privatbanken)
  • den öffentlich-rechtlichen Sektor mit Sparkassen und Landesbanken und
  • den Genossenschaftssektor (Volks- und Raiffeisenbanken).
Wesentliches Unterscheidungsmerkmal dabei ist die Rechtsform. Während Kreditbanken i.d.R. Aktionären gehören und Genossenschaftsbanken den jeweiligen Genossen, sind Sparkassen im Eigentum der öffentlichen Hand. 

Betrachtet man die Entwicklung der Bilanzsummen der großen Gruppen seit 2005, so zeigt sich, dass die Kreditbanken erhebliche Marktanteile gewinnen konnten, während die Sparkassen zurückgefallen sind.

Entwicklung der Bilanzsumme nach Gruppen in Prozent (2014 zu 2005)

 

2014

2005

Kreditbanken

39

28

Genossenschaftsbanken

13

12

Sparkassen

28

34

Restliche Bankengruppen

20

26 

Quelle: Bundesbank.

Die Kreditbanken in Deutschland
Mitte 2015 gab es insgesamt 393 Kreditbanken, die sich wiederum aufteilen in:
  • 4 Großbanken (Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank, Postbank)
  • 201 Regional-/sonstige Kreditbanken
  • 188 Zweigstellen ausländischer Banken. 

Die Zahl der Beschäftigten in der gesamten Kreditwirtschaft ist im Zeitraum 2000 bis 2014 von 772.500 auf 622.250 zurückgegangen. Am stärksten war der Rückgang bei den Kreditbanken. Das Geschäftsstellennetz in diesem Bereich wurde in den letzten Jahren um fast ein Drittel gekappt.


Fusionen
Fusionen und Übernahmen sind im Bankensektor nichts Neues. 2009 erst hatte die Commerzbank die Dresdner Bank übernommen. Die Deutsche Bank hatte kurz davor die Postbank bei sich eingegliedert – nun wurde nach nur acht Jahren bekanntgegeben, dass diese wieder abgespalten wird. 

Im nächsten Jahr steht eine neue Milliardenfusion an: Die genossenschaftlichen Spitzeninstitute DZ Bank und WGZ wollen sich 2016 verschmelzen. Nach der Fusion wäre die neue DZ Bank die Nr. 4 im Bankensektor – knapp hinter der KFW und der Commerzbank.

Die zehn größten deutschen Banken 

Banken

Bilanzsumme in Mrd. Euro

Mitarbeiter

Deutsche Bank

1.694

98.647

Commerzbank

561

51.612

KFW

505

5.518

DZ Bank (pro forma)

-       davon DZ Bank

-       davon WGZ Bank

501

409

92

31.560

29.911

1.649

HypoVereinsbank

314

16.890

LBBW

279

11.098

BayernLB

225

6.791

NordLB

191

6.597

Helaba

181

6.254

Deutsche Postbank

154

14.940

Quelle: Reuters/Rheinische Post vom 20.11.2015 (Stand: Ende 2014).


Siehe auch: Die deutschen Sparkassen


Dr. Jürgen Glaubitz
Redaktioneller Stand: November 2015