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BlackRock – der schwarze Finanzriese

Vor geraumer Zeit gab es hierzulande die sogenannte Deutschland AG. Darunter verstand man das Netzwerk zwischen Großbanken, Versicherungen und Industrieunternehmen. Kennzeichnend waren die gegenseitigen Kapitalbeteiligungen und die Konzentration von Aufsichtsratsmandaten in wenigen Händen. Im Zentrum der Deutschland AG standen dabei die Deutsche Bank und die Allianz.

Wenn man heute die Frage nach dem wichtigsten Großaktionär in der deutschen Wirtschaft stellt, stößt man auf einen Namen, der den meisten völlig unbekannt sein dürfte und der zunächst wie ein Ausrüster für Bergsportartikel klingt: BlackRock. Der amerikanische Finanzinvestor hat – fast unbemerkt von der Öffentlichkeit – seine Geschäfte weltweit immer weiter ausgedehnt. Der „schwarze Fels“ ist eine Macht, die außerhalb der Finanzbranche kaum jemand kennt.


BlackRock – der Finanzgigant
Niemand verwaltet so viel Geld wie BlackRock. Das Unternehmen ist in fast jedem Winkel der Welt präsent. BlackRock ist Großaktionär bei JPMorgan Chase, Bank of America, Citibank u.a.

In Deutschland sind die Fonds von BlackRock die größten Eigentümer der im Dax gelisteten Unternehmen. BlackRock ist die einzige ausländische Anlagenfirma, die an allen 30 Dax-Unternehmen beteiligt ist. Vielen ist dies nicht bekannt, da die Beteiligungen meist nur ein paar Prozent des jeweiligen Aktienkapitals ausmachen, in der Regel sind es zwischen zwei und sechs Prozent. Allerdings ist die Kapitalbeteiligung mitunter deutlich höher, da nicht nur BlackRock Inc. als Aktionär fungiert, sondern auch zahlreiche BlackRock-Töchter, wie etwa BlackRock Holdco 2 Inc., BlackRock Financial Management, BlackRock Advisors Holdings Inc. u.a.m.

Manch einem gilt BlackRock als der „heimliche Strippenzieher der Dax-Konzerne“ (onvista.de). Das Handelsblatt hat schon vor einigen Jahren auf die Bedeutung des US-Finanzinvestors hingewiesen: Die Übersicht der Beteiligungen wecke, so das Blatt, Erinnerungen an die alte Deutschland AG. Sie „liest sich wie ein Who-is-Who deutscher Konzerne“ (Ausgabe vom 27.4.2010).


BlackRock – eine „heimliche Weltmacht"?
Das Unternehmen sammelt weltweit Geld von Anlegern ein und investiert dieses auf dem gesamten Globus. Pensionskassen, Staatsfonds, Stiftungen, Versicherer – sie alle vertrauen BlackRock ihr Vermögen an – um dieses zu vergrößern. Die Firma unterhält „beste Beziehungen zu Regierungen und Zentralbanken“ (Wirtschaftswoche vom 12.5.2011). Viele halten den Einfluss von BlackRock für größer als den der großen amerikanischen Investmentbanken. Und der BlackRock-Chef Laurence D. Fink gilt manchem als „einflussreichster Geldmanager der Erde“ (Spiegel vom 14.3.2015). „Larry“ Fink wird mitunter auch als „heimlicher König der Wall Street“ tituliert (FAZ vom 10.2.2013). Fink war vor allem in zahlreichen Aktivitäten in der Folge der Finanzmarktkrise als Berater der US-Regierung sehr gefragt.


Aladdin
Ein Geheimnis des Erfolgs von BlackRock ist dessen gigantisches Datenanalysesystem Aladdin. Dieses besteht aus einer Heerschar von Analysten und rund 6.000 Großrechnern. Die Kapazität nutzt das Unternehmen „um täglich, stündlich, minütlich und teilweise auch sekündlich auszurechnen, welchen Wert die Aktien, Bonds, Devisen oder Kreditpapiere haben, die in den milliardenschweren Anlageportfolios liegen“ (Wirtschaftswoche vom 12.5.2011).


BlackRock: Kurzporträt
  • Firmenname: BlackRock Inc. (Incorporated = am. Aktiengesellschaft)
  • Bedeutung: größter Vermögensverwalter der Welt 
  • Größter Anteilseigner: PNC Financial Services (23 Prozent)  
  • Hauptsitz: New York; weitere 70 Büros in 30 Ländern
  • Gründung: 1988 (als Financial-Management-Gruppe innerhalb der Blackstone-Group). 1995 Zusammenschluss mit PNC
  • Firmenchef und Gründer: Laurence D. Fink
  • Aktivitäten: Vermögens- und Risikoverwaltung
  • Verwaltetes Vermögen: 4,72 Billionen US-Dollar (Stand: 30.6.2015). Damit ist BlackRock der größte Vermögensverwalter der Welt.
  • Gewinn: 3,2 Mrd. US-Dollar (Geschäftsjahr 2014)
  • Beschäftigte: 12.000
  • Deutschland-Chef: Christian Staub.



Dr. Jürgen Glaubitz
Redaktioneller Stand: November 2015