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Bilal - Als Illegaler auf dem Weg nach Europa

Autor: Gatti / Verlag: Kunstmann

Auf den Spuren der Illegalen

Dieses Buch ist ein Höllentrip. Es liest sich wie ein Thriller und ein Abenteuerroman und schildert doch die Wirklichkeit. Es führt den Leser durch die Wüsten Afrikas, aber da sind keine Beduinenromantik und keine meditative Leere. Sondern Tod, Gewalt, Armut, Leid, Korruption. Schon vor 2000 Jahren zogen auf diesem Weg von Senegal, über Mali, durch Niger bis nach Libyen die Sklavenzüge der Römer. Heute versuchen auf diesen Routen die Illegalen nach Europa zu gelangen, wo sie auf Arbeit, Brot und Menschenwürde hoffen. Viele fliehen vor Bürgerkriegen. Es sind die Tapfersten, die sich auf den Weg machen, und die Gebildeten.

Was auf diesen Fahrten geschieht, hat der italienische Journalist Gatti recherchiert und in seinem Buch "Bilal - Als Illegaler auf dem Weg nach Europa" beschrieben. Er hat sich selbst in die Lage eines Illegalen begeben. Er beschreibt nicht nur, welchen Gefahren und Nöten sich die Menschen dabei aussetzen, sondern auch, wer sich an ihnen bereichert. Etwa 15.000 Migranten verlassen im Monat die Stadt Agadez, auf maroden Lastwagen sind bis zu 200 Personen mit Gepäck zusammengepfercht. Pro Flüchtling kostet allein die lebensgefährliche Fahrt von Niger nach Libyen 150 Euro, das macht eineinhalb Millionen für die Schleuser. Die Profitrate für die Schleuser übers Mittelmeer ist noch höher.

Freilich kann Gatti nicht den ganzen Fluchtweg mitgehen. Nach Libyen darf er als Weißer nicht hinein. Die Regierung will nicht offenkundig werden lassen, wie das Land vom Zug der Migranten profitiert. Auch die gefährliche Reise im Schlauchboot tritt er nicht an. Er fliegt lieber nach Rom. In Italien tarnt er sich als irakischer Kurde namens Bilal und springt auf der Insel Lampedusa ins Meer, um sich als Bootsflüchtling ins Aufnahmelager einweisen zu lassen. Der Trick gelingt, und aus dem Inneren des "Käfigs" kann Gatti erschütternde Szenen berichten. Für ihn ist das Lager ein Menetekel, "ein Verrat an Idealen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Der Käfig von Lampedusa ist eine Schande für unsere Demokratie. Die größte Lüge des vereinten Europa." Zu der auch gehört, dass nach Willkür entschieden wird, wer nach Libyen zurückgeschickt wird oder Gelegenheit erhält, in Italien als Illegaler unterzutauchen - das Land hat Verwendung für billige und rechtslose Arbeitskräfte. Wie sonst wären unsere Kiwis im Supermarkt so billig

Inzwischen zeigt das Abschiebeabkommen zwischen Italien und Libyen, das Flüchtlinge ohne Prüfung der Asylgründe abzuschieben erlaubt, Wirkung. Das Lager in Lampedusa ist geschlossen. Die Probleme der Illegalen aber sind es nicht. Die neue Freundschaft zwischen Berlusconi und Ghaddafi, die Menschenrechtsverletzungen, Korruption und Menschenschmuggel ignoriert, hat höchstens dazu geführt, dass viele nicht mehr im Meer ertrinken, sondern in der Wüste umkommen, wohin die libyschen Behörden sie schicken.

Ein hartes und aufregendes Buch eines Autors, der vermitteln kann, was ihm widerfährt - und ein Spiegel, den sich jeder Europäer vorhalten lassen muss.

Rezensent: Fritz Wolf, Düsseldorf, Februar 2010

456 Seiten
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-88897-587-5
Einband: gebunden


Preis
24,90 EUR
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